Mentalisierungsbasierte Therapien (MBT)
Die mentalisierungsbasierte Therapie (MBT) für Borderline-Patienten
Die Evidenzbasierung von MBT) ist gut dokumentiert in Bezug auf die Behandlung von Persönlichkeitsstörungen. Insbesondere zur Behandlung von Borderline-Persönlichkeitsstörungen (Storebro et al. 2019) und wird in den Leitlinien zur Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörungen empfohlen und wird von verschiedenen Fachgesellschaften anerkannt.
Storebø, O. J., Stoffers-Winterling, J. M., Völlm, B. A., Kongerslev, M. T., Mattivi, J. T., Jørgensen, M. S., Faltinsen, E., Todorovac, A., Sales, C. P., & Callesen, H. E. (2020). Psychological therapies for people with borderline personality disorder. Cochrane Database of Systematic Reviews, 5.
- Mehrere kontrollierte Studien haben gezeigt, dass MBT wirksam ist, um emotionale Regulation, zwischenmenschliche Beziehungen und allgemeine Lebensqualität bei Patienten mit Borderline-Persönlichkeitsstörung zu verbessern.
- Langzeitstudien belegen die Nachhaltigkeit der Therapieeffekte.
- MBT wird oft mit anderen evidenzbasierten Therapien wie Dialektisch-Behavioraler Therapie (DBT) verglichen und hat ähnliche oder sogar überlegene Ergebnisse in bestimmten Bereichen gezeigt.
Zentrale Aufgabe ist die Verbesserung und Stabilisierung der Mentalisierungsfähigkeit und nicht die Entwicklung von Einsicht. Der Fokus der Behandlung liegt im Hier und Jetzt. Im Hier und Jetzt wird auch untersucht, wie die Gegenwart von den Erlebnissen der Vergangenheit beeinflusst wird. Dem drohenden Verlust von Mentalisierungsfähigkeiten wird durch das Angebot einer sicheren Beziehung, einer transparenten Struktur und durch mentalisierungsfördernde Interventionen begegnet.
Es gibt eine Reihe von organisatorischen Merkmalen, die die Behandlungsansätze, die sich als erfolgreich erwiesen haben, gemeinsam haben (Bateman u. Fonagy 2004).
Organisatorische Merkmale
Dabei scheint die Art und Weise, wie die Struktur besprochen wird, und ihre Transparenz für den Behandlungserfolg ebenso wichtig, wie die therapeutischen Interventionen selbst.
MBT wurde in einem teilstationären Setting entwickelt. Das detailliert ausgearbeitete und manualisierte Behandlungskonzept (Bateman & Fonagy 2007) hat in randomisierten und kontrollierten Studien seine Wirksamkeit bewiesen (Bateman & Fonagy 1999, 2001, 2003, 2008).
Literatur
Bateman AW, Fonagy P (1999) The effectiveness of partial hospitalization in the treatment of borderline personality disorder – a randomised controlled trial. American Journal of Psychiatry, 158, 1563-1569
Bateman AW, Fonagy P (2001) Treatment of borderline personality disorder with psychoanalytically oriented partial hospitalisation: an 18-month follow-up. American Journal of Psychiatry, 156, 36-42
Bateman AW, Fonagy P (2003) Health service utilisation costs for borderline personality disorder patients treated with psychoanalytically oriented partial hospitalisation versus general psychiatric care. American Journal of Psychiatry, 160, 169-171
Bateman AW, Fonagy P. (2007) Psychotherapie der Borderline Persönlichkeitsstörung. Ein mentalisierungsgestütztes Behandlungskonzept. Psychosozial Vlg. Gießen. Engl.: Bateman AW, Fonagy P. (2004) Psychotherapy for Borderline Personality Disorder Mentalization-Based Treatment. Oxford: University Press
Bateman A & Fonagy P (2008) 8 years follow-up of patients treated for borderline personality disorder: mentalization-based treatment versus treatment as usual. Am J Psychiatry 165, 631-638
Bateman A & Fonagy P (2009) Randomized Controlled Trial of Outpatient Mentalization-Based Treatment Versus Structured Clinical Management for Borderline Personality Disorder Am J Psychiatry 166, 1355-1364
Fonagy, P., et al. (2015). „The importance of mentalizing in the treatment of borderline personality disorder. Journal of Personality Disorders, 29(6), 238-265.
Kernberg, O. F., & Caligor, E. (2005) „A psychoanalytic theory of personality organization.“Journal: Journal of the American Psychoanalytic Association, 53(3), 785-815
Stein, D. J., et al. (2016). „Mentalization-based treatment for borderline personality disorder: A systematic review.“ Psychological Medicine, 46(2), 283-294.
Schulz, M., et al. (2019). „Mentalization-based therapy for depression: A pilot study.“ Journal of Affective Disorders, 245, 847-855.
DOI: 10.1016/j.jad.2018.11.059
Mentalisierungsbasierte Behandlung für Adoleszente (MBT-A)
MBT-A ist ein Behandlungsprogramm für Adoleszente mit Borderline-ähnlichen Störungen, z. B. Selbstverletzungsgefährdung und Depressionen. Das Programm erstreckt sich über ein Jahr. Es hat eine wöchentliche Einzeltherapiesitzung sowie eine monatliche Familientherapiesitzung (MBT-F) zur Grundstruktur. Die Therapeuten haben ein spezielles Training und eine wöchentliche Supervision. Die Supervision findet gewöhnlich in Gruppen statt. MBT-A greift eine Reihe von Elementen des Behandlungsprogramms von MBT bei Borderline-Persönlichkeitsstörungen auf. So gibt es einen hohen Grad an Struktur, zu der eine gute Organisation des Teams, eine Assessment-Phase, ein ausgearbeiteter Behandlungsplan und ein Notfall-/ bzw. Krisenplan, der allen Beteiligten bekannt ist, gehören. Zu den Problemen bei der Implementierung von MBT-A ist eine Fallstudie erschienen (Hutsebaute et al. 2012) Eine Evaluation des Programms ist in den letzten Jahren begonnen worden. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend (Rossouw & Fonagy 2012). Die Behandlungen reduzierten im Vergleich mit einer Kontrollgruppe signifikant Selbstverletzungen und Depression.
Literatur
Hutsebaut, J, Bales DL, Busschbach JJV, Verheul R (2012) The implemantation of mentalization-based treatment for adolescents: a case study from an organizational, team and therapist perspective. International Journal of Mental Health Systems, Open Access http://www.ijmhs.com/content/6/1/10
Rossouw TI, Fonagy P (2012) Mentalization-based treatment for self-harm in adolescents: a randomized controlled trial. J Am Acad Adolesc Psychiatry 51(12) 1304-1313
Taubner S, Volkert J, Gablonski TC, Rossouw T (2017) Mentalisierungsbasierte Therapie bei Adoleszenten mit Borderline-Störungen – Konzept und Wirksamkeit Kinderpsychol Kinderpsychiatr.66(6):423-434. doi: 10.13109/prkk.2017.66.6.423.
Taubner, S. (2008) Einsicht in Gewalt. Psychosozial, Gießen.

