Psychotherapie als dreifaches Kommunikationssystem

Ausgangspunkt der Überlegungen von Fonagy & Allison (2014) ist die therapeutische Beziehung. Die Ergebnisse der Therapieforschung weisen auf die therapeutische Beziehung als einen zentralen Mediator des Therapieerfolgs hin (Wampold 2015, Laska et al. 2014). Die therapeutische Beziehung öffnet einen sozialen Lernprozess, von dem der Patient zwischen den Behandlungsstunden profitiert. Mentalisierung fördert dabei die Sicht des Patienten als eigenständige Person, die für sich selbst gültige Erfahrungen macht.

1. Die Therapietheorie des Therapeuten
Alle evidenzbasierten Psychotherapieformen liefern dem Patienten ein Verständnis über sich, seinen Verstand und seine Seele. Sie liefern ein Verständnis über seine Störungen und wie Veränderungen in der Therapie verstanden werden können. Diese manchmal impliziten, manchmal expliziten Erklärungen des Therapeuten wirken als wichtige, persönlich relevante Botschaften des Therapeuten. Sie schaffen epistemisches Vertrauen (s.Link) bzw. reduzieren die epistemische Alarmbereitschaft.

2. Erweiterung oder Wiedererlangen von Mentalisierung
Die Förderung von Mentalisierung in der Therapie ist nicht ein Therapieziel für sich selbst, aber sie ist ein Weg, Affekte besser modulieren zu können, zentrale Beziehungskonflikte zu verstehen und zu regulieren. Die Förderung von Mentalisierung verbessert dabei die Selbstkontrolle und das Empfinden von Selbstkohärenz.

3. Wiederherstellen von sozialem Lernen
Die Förderung der Mentalisierungsfähigkeit geht einher mit der Schaffung von epistemischem Vertrauen. Dies ermöglicht Neues und Anderes über die soziale Welt zu erfahren sowie alte Überzeugungen in Frage zu stellen. Die Wiederherstellung der Mentalisierungsfähigkeit holt den Patienten aus seiner durch das epistemische Misstrauen bedingten Isolation heraus. Die epistemische Alarmbereitschaft lieferte dem Patienten eine eingeengte Sichtweise seiner Erfahrungen. Patienten müssen neue Erfahrungen machen, um sich zu verändern. Die wichtigen Veränderungen passieren zwischen den Stunden, im sozialen Feld außerhalb der Therapie. Dies legt die The-rapieforschung nahe (Bohart et al. 2013 S. 243).

Literatur

Brockmann J, Kirsch H (2010) Konzept der Mentalisierung – Relevanz für die psychotherapeutische Behandlung. Psychotherapeut 55: 279-290 (Link)

Bohart A, Wade A (2013) The Client in Psychotherapy. In: Lambert M (ed.) Handbook of Psychotherapy and Behavior Change 6th ed. Chap. 7 219-257 J. Whiley & Sons Ltd

Fonagy P & Allison E (2014) The Role of Mentalizing and Epistemic Trust in the Therapeutic Relationship. Psychotherapy 51/3 pp372-380

Fonagy P, Luyten P, Allison E, Campbell C (2017b) What we have changed our minds about: Part 1. Borderline personality disorder, epistemic trust and the developmental significance of social communication. BioMed Central articles  Borderline Personality Disorder and Emotion Dysregulation 4:9, https://doi.org/10.1186/s40479-017-0062-8

Kirsch H, Brockmann J & Taubner S (2016) Praxis des Mentalisierens. Klett-Cotta Vlg. Stuttgart.

Laska, K., Gurman, A., & Wampold, B. (2014) Expanding the lens of evidence-based practice in psychotherapy: A common factors perspective. Psychotherapy, 51, 467–481. doi:10.1037/a0034332

Wampold BE (2015) How important are the common factors in psychotherapy? An update. Wore Psychiatry 14(3): 270-277 Published online 2015 Sept 25. dos: 10.1002/wps.20238